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news >> 2014 >> 080922_01

23.09.2008

Otto-Martin Reblé, Ex-Mitglied des "Märkischen Heimatschutzes"

Umsteiger will ins Angermünder Stadtparlament

Angermünde (ipr) Otto-Martin Reblé kandidiert auf der Liste "Bürger für Gerechtigkeit" zur Wahl der Angermünder Stadtverordnetenversammlung. Damit erhält ein 20-jähriger junger Mann die Chance, in das Stadtparlament einzuziehen. Nun ist Otto-Martin Reblé kein politischer Newcomer. Eine kleine Googlelei fördert einige seiner politische Etappen der letzten Jahre zutage.

Das jüngste Foto findet sich auf der Website der "Märkischen Oderzeitung". Neben einem Bericht über die "Bürger für Gerechtigkeit" ist er mit den Listenmitgliedern Edwin Raiser und Katrin Gatsche abgebildet.

Das älteste Foto (Bild 10) stammt vom 6. September 2004. Damals marschierte er hinter Gorden Reinholz, Chef des "Märkischen Heimatschutz" (MHS), durch Bernau.

Am 20.11.2004 trug er (Bild 17) in Berlin-Lichtenberg die Brandenburg-Fahne beim Naziprotest gegen die "Silvio-Meier-Demo".

In eine Chronik der Angermünder Initiative "Pfeffer & Salz" heißt es am 23.04.2004: "Zum wiederholten Male treten Mitglieder des MHS bei einem Dorffest massiv auf und bedrohen andersaussehende Jugendliche. Mit dabei Otto-Martin Reble, Nachwuchskader des MHS."


Reblé und NPD-Uckermark Kanditatin Hack in Cottbus foto: ipr

Am 27.04.2005 fand in Bernau erneut ein Aufmarsch des MHS statt, berichtete das Newsportal "inforiot.de". Ungefähr 110 Neonazis aus Berlin und Brandenburg - unter ihnen Otto-Martin Reblé - marschierten unter dem Motto "Ausweisung krimineller Ausländer" durch die Bernauer Innenstadt.

Ein weiteres Foto zeigt ihn hinter dem Transparent des "Nationalen Netztagebuches" der NPD Barnim-Uckermark am 28. Juli 2007 auf einer Demonstration in Cottbus.

Politik ist mehr als Demos

Heute bezeichnet das Otto-Martin Reblé als Demonstrationstourismus. Er bescheinigt seinen ehemaligen Kameraden, dass sie Politik nur als Abenteuerspielplatz begreifen. Da sei nichts auf Dauer angelegt. Gewalt beschreibt er als gegen ihn und seine Kameraden gerichtet. Die gewaltbereiten Linken sind für ihn immer die Angreifer gewesen.

Otto-Martin Reblé steht zu seiner Vergangenheit. Er hat sich den "Bürgern für Gerechtigkeit" vor der Listenwahl offenbart. Das bestätigte auch der "Bürger für Gerechtigkeit" Mitinitiator und das derzeitige Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Angermünde Steffen George gegenüber "gegenrede.info" schon bei den ersten Nachfragen im August 2008. Aber sonst beschützte man Reblé vor neugierigen Fragern. Kein Telefon, kein Handy und daheim war er auch nicht anzutreffen. Letzten Donnerstag auf einer Wahlveranstaltung der "Bürger für Gerechtigkeit" in Angermünde gelang es endlich, mit ihm zu sprechen.


Otto-Martin Reblé, Edwin Raiser und Steffen George am 18.09.2008 auf
einer Wahlveranstaltung der "Bürger für Gerechtigkeit" foto: ipr

Stringent und werteorientiert

Recht auf Arbeit, Selbstverwirk- lichung und persönliche Freiheit seien Werte, die er heute vertrete und die er schon während seiner Zeit beim "Märkischen Heimat- schutz" vertreten habe.

Er sei gegen den Raubtierkapi- talismus. Wer sich als junger Mensch in der Region politisch engagiere, lande automatisch bei den Rechten, weil ja die etablierten Parteien alle für den Kapitalismus seien, so seine Logik. Den ehemaligen PDSlern hält er vor, dass sie immer nur über die jungen Rechten reden wollten, aber nie mit ihnen.

Auf die Nachfrage, was man denn bei der Position "sozial gehe nur National" diskutieren könne, lenkte er ein. Man lebe in einer globalen Welt, da könne man nicht mehr ausländerfeindlich sein. Dass bei den Rechtsextremisten mit Kapitalismus die Juden gemeint seien, verstünde man erst nach einiger Zeit. Und das mit der jüdischen Weltverschwörung sei natürlich Quatsch. Reblé wirkt zielstrebig. Seine politischen Überzeugungen trägt er selbstbewusst vor.

Langsamer Abschied

Zu seinem früheren Kameraden habe er keinen Kontakt mehr. Man Grüße sich, mehr nicht. Als er sich Ende 2005 aus dem "Märkischen Heimatschutz" zurückgezogen habe, sei er nicht unter Druck gesetzt worden. Er sei einfach immer seltener zu den Treffen gegangen, und dann gar nicht mehr.

Auf die Frage, ob er denn Lust hätte, über seine Erfahrungen in und mit der rechtsextremen Szene und über seinen Ausstieg vor Jugendlichen zu referieren, antwortete er nach kurzer Überlegung mit "Nein". Da wäre zu viel Persönliches.

"Warum er denn im Juli 2007 in Cottbus dabei war, obwohl er Ende 2005 schon dem MHS verlassen hat?" wollte "gegenrede.info" wissen. Er sei angerufen worden, da gäbe es eine Demonstration gegen Kapitalismus. Wer ihn angerufen hatte, wollte er nicht verraten. Die alte Dame, die neben ihm gelaufen sei, habe er nicht gekannt. Die alte Dame ist die 1936 geborenen Imgard Hack, die bei der Kommunalwahl kommenden Sonntag als NPD-Kandidatin für den uckermärkischen Kreistag antritt.


Otto-Martin Reblé und Edwin Raiser am 18.09.2008 auf einer
Wahlveranstaltung der "Bürger für Gerechtigkeit" foto: ipr

Derzeit macht Otto-Martin Reblé eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten. In diesem Rahmen hat er gerade ein Praktikum bei der Stadt- verwaltung in Angermünde absolviert. Auf die Frage, was das denn genau sei, kaufmännischer Assistent, antwortete er: "Da arbeitet man in den Schaltzentralen von Unternehmen."

Ein Foto will er von sich nicht machen lassen. Etwas albern für jemanden, der sich gerade auf seiner eigenen Wahlveranstaltung befindet und in die Stadtverordnetenversammlung von Anger- münde einziehen will. Auf seiner eigenen Wahlveranstaltung ist Otto-Martin Reblé eine "Person des öffentlichen Lebens". Deshalb wurde er trotzdem fotografiert.



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