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13.11.2008

Scientology bei der NPD Barnim-Uckermark angekommen

Wer Hinz & Kunz nicht Ken(n)t

Pinnow (ipr) Am 4. November 2008 wurde auf den Seiten des "Nationalen Netztagebuches" der NPD Barnim-Uckermark für einen Trickfilm mit dem Titel "Gib mir die Welt plus 5 Prozent" des Vereins "Neue Impulse" geworben. Passend zur aktuellen Finanzmarktkrise gibt der Film vor, "das unentdeckte Geheimnis des Banken- und Geldwesens" zu lüften.

Grundlage des Trickfilms ist eine Geschichte des Australiers Larry Hannigan von 1971, die als Basiswissen über unser Geld- und Zins-System angepriesen wird. Übersetzt, redaktionell bearbeitet und vertrieben wurde diese Geschichte über den Goldschmied Fabian im Jahre 2006 von Michael Kent. Sie richtete sich an Tauschringe und Initiatoren von Regionalwährungen.

Die Verschwörung der Illuminati

Was die Geschichte für die Antisemiten der NPD interessant macht, ist die Figur des Goldschmieds Fabian, was lediglich als ein Synonym für Jude zu verstehen ist. Larry Hannigan selbst bezieht sich mit seiner Geschichte auf die Rolle der Londoner Goldschmiede als Kreditgeber englischer Könige im 16. und 17. Jahrhundert. In die Ideologie der NPD passt auch eine kurze Passage, die das Bankenwesen als eine Verschwörung von Goldschmieden beschreibt:

"Goldschmiede aus anderen Teilen des Landes waren interessiert an seinem Erfolg, und Fabian berief ein Treffen der Goldschmiede ein, das bereits unter Geheimhaltung stattzufinden hatte. Schließlich durfte der Schwindel nicht an die Öffentlichkeit gelangen, wenn die Sache weiterhin funktionieren sollte. Nach etlichem Abwägen wurde eine Logenbruderschaft gegründet und die Mitglieder auf absolutes Stillschweigen vereidigt. Sie nannten sich die 'Erleuchteten' – und die neu 'erleuchteten' Goldschmiede begannen nun in allen Teilen des Landes nach Fabians Anweisungen Geld zu verleihen."

Die Geschichte erreichte vor zwei Jahren die Uckermark per E-Mail-Verteiler eines Tauschrings. Es gehört zum Konzept von Michael Kent, ihm wichtige Inhalte über die unterschiedlichsten E-Mail-Verteiler unter die Leute zu bringen.

"Wir laden Sie herzlich ein, diesen Text breitflächig zu verteilen. Mindestens eine Million Menschen im deutschsprachigen Raum sollen in Kenntnis dieses Artikels kommen. Zielsetzung dieser Aktion ist, einen Bewusstseinsschub in der Bevölkerung in Gang zu setzen, der nicht nur unsere gegenwärtige Zinswirtschaft als Kontrollinstrument weniger "Auserwählter" erkennbar werden lässt, sondern die Weichen für ein menschenfreundliches, gerechtes Geldsystem stellen soll."

Kent alias Hinz

Michael Kent, der eigentlich Hinz heißt, ist der Herausgeber der "Kent-Depesche", die wöchentlich erscheint und in der alternativ-esoterischen Szene der Uckermark grassiert.

Herausgegeben wird die "Kent Depesche", die auch als Magazin "mehr wissen - besser leben" bekannt ist, im Sabine Hinz Verlag. Unter den Schlagworten "mehr wissen - besser leben, Bücher, Nahrungsergänzungen, Seminare, Wohlfühlprodukte" vertreibt seine Frau Sabine Hinz Produkte, die Probleme lösen helfen, die Michel Kent mit seinen Texten schafft.

Bereits 1994 berichtete die Wochenzeitschrift "Die Zeit" über die Aktivitäten von Michael Hinz. Damals soll er der Initiator zahlreicher Prowofi-Firmen gewesen sein. Prowofi steht für "Professionelle Wohnungsfinder". Über Hinz schrieb "Die Zeit":

"Wohnungsberatung nach dem Muster Prowofi gibt es bundesweit, und überall wächst der Argwohn. Die Geschäftsführerin des Mietervereins Stuttgart und Umgebung, Angelika Brautmeier, beobachtet das professionelle Wohnungsfinden in ihrer Stadt schon seit vier Jahren.

Die Prowofi-Idee stammt von einem Mann namens Michael Hinz. Er hat in Stuttgart, so behauptet er in seiner Werbebroschüre, drei Jahre lang den Wohnungsmarkt erforscht. Hinz stellt darin auch fest, daß es kein Problem sei, Wohnungsangebote zu erhalten, sondern umgekehrt, daß es 'die schwierigste Aufgabe' für den Vermieter sei, 'gute Interessenten zu finden'.

Von Stuttgart aus zog diese Idee Kreise. Den Angaben Angelika Brautmeiers zufolge verkauft Hinz die Lizenz für die Anwendung seines Knowhow für jeweils 15 000 Mark an Prowofi-Büros in anderen Städten. Diese arbeiten dann selbständig als Einzelunternehmen. Hinz selbst hat sich nach Angaben des Mietervereins aus der Leitung des Stuttgarter Prowofi-Büros zurückgezogen. …

Der Stuttgarter Mieterverein und andere Mieterschützer spekulieren aufgrund all ihrer Erfahrungen seit langem, es handle sich bei Prowofi um eine Tarnorganisation der Scientology-Sekte. So sei etwa der Prowofi-Erfinder Michael Hinz Kassenwart bei Scientology, sagt die Mieterberaterin Brautmeier. Auch die Arbeitsgruppe Scientology des Hamburger Senats hat bereits mehrere mit Prowofi-Unterlagen gefüllte Aktenordner angelegt."

Heute spricht er mit seinen Schriften und seinen Webseiten (www.psychopolitik.de) gezielt Kritiker der Schulmedizin insbesondere aus den Bereichen Psychiatriekritik, Ritalinkritik und Impfkritik sowie Kritiker des staatlichen Schul- und Erziehungswesens und Selbsthilfegruppen mit unterschiedlicher Zielsetzung an. Er förderte zwischenzeitlich auch die sogenannte "Neue Medizin" heute "Neue Germanische Medizin" des Dr. Geerd Hamer, dem in der BRD schon vor Jahren die Approbation als Arzt entzogen wurde.

Verfassungsschutz

Der Baden-Württembergische Verfassungsschutz beobachtet schon seit Jahren die Aktivitäten des Ehepaares Hinz. So heißt es im Baden-Württembergischen Verfassungsschutzbericht des Jahres 2005 unter der Überschrift "Sonstige Anwerbeversuche" der Scientology Organisation (SO), das Verschiedene SO-Anhänger aus dem Raum Stuttgart sowie die KVPM Stuttgart das Netzwerk "Neue Impulse" nutzten, das sich vorwiegend mit Alternativmedizin und Verschwörungstheorien beschäftigt, um für scientologische Ideen zu werben. Und weiter heißt es:

"Dabei wurden über das Internet, durch Veranstaltungen und über die Publikation mit dem Titel "Mehr wissen besser leben" ('Kent-Depesche') unterschiedliche Themen im Bereich Alternativmedizin und Politik aufgegriffen, um Kontakte zu knüpfen. Anschließend wurden diese genutzt, um teils offen für Scientology zu werben.

Die 'Kent-Depesche' wird von Scientologen im Eigenverlag herausgegeben. Ihre Herausgeber unterhalten auch Kontakte in das rechtsextremistische Milieu. In der Online-Fassung der 'Kent-Depesche' befinden sich Links zu 'befreundeten Magazinen', unter denen sich die rechtsextremistischen 'Unabhängigen Nachrichten' (UN) befinden."

Der Link zu den befreundeten "Unabhängigen Nachrichten" existiert allerdings heute nicht mehr. Dafür taucht die Michael Kent-Produktion "Gib mir die Welt plus 5 Prozent" im "Nationalen Netztagebuch" auf und junge diskussionsfreudige Rechtsextremisten aus Templin, die von der NPD als V-Mann-Partei sprechen, erklären einem die Finanzwelt anhand dieses Zeichentrickfilms.

Die Textvorlage zum Film findet sich unter http://hahn.blogkade.de/archives/455-Basiswissen-Geld-und-Zins-System-Eine-Geschichte-von-Larry-Hannigan.html



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