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news >> 2014 >> 090813_01

13.08.2009

Nazi-Demo in Brüssow geplant

Flashmob zum Hess-Gedenken

Pinnow (ipr) Für den 17. August 2009 um 19:30 Uhr rufen Rechtsextremisten im Internet dazu auf in zahlreichen deutschen Städten, den 22. Todestag des Führer-Stellvertreters Rudolf Heß per Flashmob zu gedenken. Darunter auch in der Uckermärkischen Kleinststadt Brüssow.

Seit Jahren wird es den Rechtsextremisten in der Bundesrepublik schwer gemacht, öffentlich dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß zu gedenken. Demonstrationen am Grab in Wunsiedel werden seit 2007 wieder verboten und mittlerweile auch höchstgerichtlich untersagt. Auch kleineren Veranstaltungen rund um den 17. August ergeht es nicht anders.

Diese Verbote versuchen einige Nazis mit überraschenden Aktionen zu durchbrechen. So rollte vor zwei Jahren ein weißer LKW mit der mit der Aufschrift: "Rudolf Heß 1894 – 1987 Mord verjährt nicht" mindestens eine Woche quer durch die Republik bis ihn die Polizei endlich aus dem Verkehr zog. In diesem Jahr wollen rechte Akteure eine ganz moderne und spontane Form öffentlichen Handelns zum Protest nutzen: Flashmobs.

Ein Flashmob ist eine unberechenbare Veranstaltung, die ursprünglich unpolitisch ist. Menschen verabreden sich im Internet oder per Handy, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort bestimmte Dinge zu tun, zum Beispiel eine Kissenschlacht zu veranstalten. Niemand weiß wie viele Menschen kommen und was genau passieren wird.

Diese unkalkulierbare Aktionsform will sich eine Gruppe des rechtsextremen "Freien Widerstandes" zu Nutze machen. Auf der Website 17august.info rufen sie die Kameradinnen und Kameraden zu Flashmobs in Gedenken an Rudolf Heß auf. In diesem Fall allerdings mit ein paar Vorgaben: Schnell zusammen kommen und versteinert stehen bleiben, langsames und deutliches Vorlesen der Schlussworte von Rudolf Heß vor dem Nürnberger Tribunal (in denen er nichts bereut), danach den Platz sofort in unterschiedliche Richtungen verlassen. Die Aktion soll um 19:30 beginnen und nicht länger als fünf Minuten dauern. Als Aktionsort ist in Brüssow der Marktplatz vorgesehen. Insgesamt sind mittlerweile 85 Städte in einer Liste eingetragen auf der Website eingetragen.

Kritik und Begeisterung

Im rechtsextremen altermedia.info sind heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn dieser Aktion entbrannt. Während sich zahlreiche vermutlich jüngere LeserInnen begeistert über die Heß-Flashmobs äußern, treten doch auch einige Mahner auf den Plan. Am deutlichsten formulieren die "Freien Kräfte Köln" ihre Kritik. Dort heißt es unter anderem: "Eine vollkommen transparent und in aller Öffentlichkeit vollzogene Planung von spontanen Aktionen (…) auf einer anonymen, aus dem Nichts heraus aufgetauchten Internetseite ist entweder grenzenlos naiv oder aber ein bewußter Versuch junge und noch unerfahrene Kameraden zu kriminalisieren." Und weiter: "Offensichtlich handelt es sich bei den Angaben also um Fakes, die Staat und Antifa auf den Plan [rufen] und unbedarfte Kameraden im wahrsten Sinne des Wortes in die Falle locken sollen."

Richtig daran ist, dass die Domain erst seit dem 27. Juli 2009 existiert, dass eine whois-Abfrage nach dem Domain-Eigentümer geblockt wird und dass die Server auf denen sich die Website befindet in Kalifornien stehen.

Angekündigt Aktionen im Land Brandenburg:

  • Bernau (Marktplatz)
  • Brüssow (Markt)
  • Cottbus (Altmarkt am Brunnen)
  • Eisenhüttenstadt (Lindenallee an der Disco Magnet)
  • Elsterwerda (Marktplatz)
  • Falkensee (Rathaus)
  • Fürstenwalde (Marktplatz am Dom)
  • Groß Beuchow (Fußballplatz)
  • Königs Wusterhausen (Stadtbrunnen)
  • Lübben (Schloßinsel)
  • Peitz (Marktplatz vor dem Rathaus)
  • Ruhland (Marktplatz)
  • Schwarzheide (Wasserturm)
  • Senftenberg (Neumarkt vor der Apotheke)
  • Vetschau (Marktplatz)

Zur Geschichte des Rudolf Hess Gedenkmarsches bei wikipedia



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