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07.01.2011
In Angermünde lieferten sich im März 2010 etwa 20 Jugendliche eine Prügelei
Erster Jugendlicher vor Gericht
Schwedt (ipr) Am Donnerstag musste sich der Schwedter Tim H. wegen Körperverletzung vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Schwedt verantworten. Das Verfahren wurde gegen eine Arbeitsauflage von 10 Stunden vorläufig eingestellt. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Laut Aussage des Gerichtssprechers waren zur Verhandlung keine weiteren Zeugen geladen worden. Das Gericht sei von Provokationen im Vorfeld durch das Opfer ausgegangen. Das Treffen zwischen den beiden jungen Männern, das dann zu einer heftigen Schlägerei zwischen zahlreichen Jugendlichen ausartete, sei verabredet gewesen.
Im März 2010 hatten sich vor dem Angermünder Bahnhof Angehörige zweier Jugendgruppen gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert. Neben Fäusten und Springerstiefeln kamen nach Angaben der Pressestelle der Polizei des Schutzbereiches Uckermark damals auch Reizgas, Flaschen als Wurfgeschosse und ein Teleskopschlagstock aus Metall zum Einsatz. Insgesamt waren etwa 20 Personen in die Streitereien einbezogen. Darunter auch zahlreiche junge Männer, die den mittlerweile aufgelösten Freien Nationalisten Uckermark (FNUM) zuzurechnen waren und die heute bei den Nationalen Sozialisten Barnim Uckermark (NSBUM) organisiert sind.
Unausgesprochen schlagfertig
Zur Klärung von Problemen hatten sich Norman G. aus Parstein und Tim H. aus Schwedt am 9. März 2010 gegen 15 Uhr am Angermünder Bahnhof verabredet. Beide hatten zur Sicherheit zahlreichen Kameraden und Kumpels mitgebracht. Tim H. soll dann nach Augenzeugenberichten, ohne ein Wort zu verlieren, auf Norman G. losgegangen sein und ihm einen Faustschlag verpasst haben. Daraufhin soll er von mehreren Angehörigen der FNUM niedergerungen und mit Fäusten, Fußtritten und Reizgas traktiert worden sein.
Nach Angaben der Polizei wurden die Gruppen durch beteiligte und unbeteiligte Personen getrennt. Es gab mindesten vier Verletzte, von denen zwei zur weiteren ärztlichen Behandlung ins Krankenhaus nach Schwedt gebracht worden waren.
Von Seiten der Rechtsextremisten wurde damals betont, dass dieser Streit keinen politischen Hintergrund gehabt hätte und dass man sich eigentlich nur zu einer Aussprache habe treffen wollen. Diese Eskalation sei nie beabsichtigt gewesen. Bei einem ersten Termin, der für den frühen Morgen diese Tages am Bahnhof verabredet worden war, habe man sich verfehlt, hieß es.
Vorgeschichte
Etwa vier Wochen zuvor soll Norman G. die Freundin von Tim H. am Bahnhof als Kanakin beschimpft haben, vermutlich weil sie mit Freundinnen russisch sprach. Daraufhin soll sich die Schülerin allerdings auf deutsch verbal aggressiv gewehrt haben. Bei weiterem Aufeinandertreffen am Bahnhof soll die junge Frau Norman G. massiv beschimpft und beleidigt haben. Norman G., der damals noch die Förderschule in Angermünde besuchte, hatte da wohl heftig dagegen gehalten. Die Situation schaukelte sich hoch, bis zu diesem Treffen am jenem Dienstag im März 2010, das dann in Gewalt endete.
 
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