![]() Nachrichten, Berichte, Analysen zum Rechtsextremismus in der Uckermark |
01.06.2011 Zwei Templiner vor GerichtHelfende Fäuste und Bierflaschen-BluesPrenzlau (ipr) Vergangen Mittwoch fand der zweite Prozesstag gegen Patrick K. (25) und Thomas K. (42) wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Prenzlau statt. Der Templiner Patick K. gehörte etwa bis 2008 zur dortigen rechten Szene und befand sich wegen mehrerer Gewaltdelikte - auch politisch motivierter - bis Herbst 2010 in Haft. Die beiden Männer sollen am frühen Morgen des 4. Dezember 2010 den heute 35-jährigen Bernd B. nach einem Disko-Besuch in Templin angegriffen, geschlagen, eine Bierflasche über den Schädel gezogen und am Boden liegend getreten haben. Hintergrund für die Tat sind Gerüchte, dass Bernd B. vor 15 Jahren ein Kind mit Thomas Ks. langjähriger Freundin gezeugt und ihm untergeschoben haben soll. Das sollte an jenem Dezembermorgen nach reichlich Alkoholkonsum mit Bernd B. ausdiskutiert werden. Für Patrick K. bedeutete diese erneute Tat, dass er kurz nach seiner vorzeitigen Haftentlassung erneut in Untersuchungshaft musste. Der Vorsitzende Richter Zech sah nach diesem Verhandlungstag auch keinen Anlass, diese aufzuheben. Am ersten Prozesstag wurde die Anklage verlesen und die Angeklagten hatten erklärt zu den Vorwürfen Stellung nehmen zu wollen. Was Thomas K. an diesem Tag dann doch nicht tat. Patrick K. schilderte die Vorkommnisse in der für ihn bekannten Manier knapp neben der Wirklichkeit, so dass sein Kumpel Thomas K. möglichst entlastet und seine eigenen Taten auf ein Minimum reduziert wurden. Er beschrieb ein Streitgespräch zwischen Thomas K. und Bernd B. vor der Diskothek. Er verneinte den Schlag mit einer Bierflasche. Er gab zu Bernd B. mit seinen Fäusten traktiert zu haben, was dieser aber abwehrte. Außerdem habe er mit dem Opfer am Boden gerungen. Ein Tritt von K. habe ihn und nicht Bernd B. getroffen. Thomas K. äußerte sich nur zum Gerücht um die Vaterschaft. Zwei Zeuginnen – darunter die jetzige Freundin von Thomas K. - und das Opfer verwiesen das von Patrick K. beobachtete Streitgespräch ins Reich der Fantasie. Eher war es wohl so, dass die beiden Angeklagten ihrem Opfer hinterher jagten, wobei Patrick K. es als erster erreichte. Fotos von den Verletzungen zeigten die blutige Wunde am Kopf, die aufkommende Schwellung eines Auges und eine aufgeplatzte Lippe. Bei der Bierflasche und der medizinischen Beschreibung der Verletzungen sahen die beiden Verteidiger, Wolfram Nahrath und Steffen Kalauch, einen Ansatzpunkt, die Anklage zu erschüttern. So hatte Bernd B. gleich nach der Tat Anzeige erstatten wollen, die allerdings von den beiden Beamten auf der Wache Templin nicht aufgenommen wurde. Sie sollen einen Alkoholtest gemacht haben. Darüber findet sich nichts in den Akten. Sie haben die Verletzungen dokumentiert und das Opfer zur ärztlichen Untersuchung ins Krankenhaus geschickt und gebeten am nächsten Morgen wegen der Anzeige wieder zu kommen. Die Ärztin dort hat die Rippen auf Verletzungen überprüft aber in ihrem medizinischen Bericht das entstehende blaue Auge nicht erwähnt. Da es die Polizisten versäumt haben, nach der Tatwaffe – Bierflasche – zu suchen und diese als Beweismittel zu sichern, gehen die Anwälte davon aus, dass die Wunde am Kopf möglicherweise beim Ringen am Boden und nicht durch den Schlag mit einer Flasche entstanden sein könnte. Deshalb beantragten die Anwälte, die Ärztin und einen der Polizisten auf der Wache als Zeugen anzuhören. Dem stimmte das Gericht zu und vertagte den Prozess. Patrick K. und der zornig wirkende Thomas K. sind ein ungutes Pärchen. Als Patrick K. im Oktober 2008 das erste Mal in Untersuchungshaft kam, war er ein paar Tage zuvor gemeinsam mit seinem Saufkumpan Thomas K. über zwei Gäste einer Lychener Kneipe hergefallen. Am 19. Februar 2009 waren beide dafür verurteilt worden. Thomas K. erhielt 8 Monate Haft, die zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt worden waren. Bewahrheiten sich die Vorwürfe gegen ihn, hätte auch er kurz vor Ende der Bewährungszeit erneut zugeschlagen. Ihre Meinung |