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26.07.2011

Drei Jahre nach dem Mord: Gedenken an Bernd Köhler

Pinocchio zu Gast beim Uckermark-Kurier

Templin (ipr) Am Freitagmorgen haben der Bürgermeister von Templin, Detlef Tabbert, und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Rolf Siegmund, im Beisein von Familienangehörigen und Stadtverordneten und in Abwesenheit der lokalen Presse ein Blumengebinde am Grab Bernd Köhlers niedergelegt. Es ist nach drei Jahren das erste Mal, dass die Stadt Templin offiziell der Ermordung Bernd Köhlers gedenkt.


In stillem Gedenken - Stadt Templinfoto: sarah köhler

Waltraud Krüger, die Schwester des Ermordeten, zeigte sich erstaunt als der neue Bürgermeister nach drei Jahren des Schweigens seitens der Stadt auf sie zukam, äußerte dann aber doch ihre Befriedigung darüber, dass die "Stadt endlich zur Besinnung gekommen ist." Die Tochter Sarah Köhler, die mit dem Film-Team vom RBB gekommen war, fand es ebenfalls gut, dass die Stadt an die Ermordung ihres Vaters erinnert. Detlef Tabbert, der erst seit Sommer 2010 im Amt ist, erklärte, "wenn so eine menschenverachtende Tat in einer Kleinstadt geschehe, dann darf man die nicht vergessen!" Und die jungen Leute in Templin will er mit dem Gedenken an Bernd Köhler darauf aufmerksam machen: "Wir tolerieren in unserer Stadt keinerlei rechte Gesinnung."

Lange Nase, kurze Beine

Erstaunlich bei der kleinen Gedenkveranstaltung war, dass zwar ein TV-Team vom RBB auf dem Friedhof erschien aber die lokale Presse nicht. Gegenrede.info fragte bei der Templiner bzw. Prenzlauer Zeitung nach dem Warum und erhielt auch eine Antwort. Chefreporter Heiko Schulze erkärte, dass man "in Absprache mit dem Templiner Bürgermeister unter Rücksichtnahme auf die Familie von einer Berichterstattung abgesehen" habe. "Der Termin selbst wurde auf der ersten Lokalseite in Templin angekündigt, allerdings ohne Nennung der Uhrzeit, was auf den ausdrücklichen Wunsch der Familie zurückzuführen ist, den wir als seriöse Medienvertreter selbstverständlich akzeptieren."

Allein diese Aussage klingt schon absurd. Die Stadt macht ein öffentliches Gedenken und hält die Öffentlichkeit außen vor. Gegenrede.info hat selbstverständlich bei Bürgereister Tabbert nachgefragt, ob es eine derartige Absprache gegeben habe. Der sagte dann auch, dass er nicht ganz unschuldig daran sei, dass kein Mitarbeiter der Templiner Zeitung auf dem Friedhof war. Man habe den Hinweis für die Presse ohne Zeitangabe gemacht, weil man sich mit der Familie des Ermordeten noch habe zeitlich abstimmen müssen. Das habe man der Templiner Zeitung so auch mitgeteilt. Als dann am Freitag jemand von der Zeitung nachfragte, sei schon alles vorbei gewesen. Auf gut deutsch, die Redaktion hat den Termin verpasst. Außerdem kennt gegenrede.info diese Ausrede schon aus dem vergangenen Jahr, als man nachfragte, wie die Zeitung mit dem Mord umgehen werde, erhielt gegenrede.info eine E-Mail mit ähnlichem Inhalt.

Gegenrede.info weiß, dass zum Beispiel Frau Krüger gar kein Interesse hat, die Presse außen vor zu halten. Sie will das öffentliche Gedenken an ihren Bruder. Wozu sonst bringt sie jedes Jahr am Abend des 21. Julis außen an der Tür zur Werkstatt, zum Mordort, neben dem Mühlentor ein kleines Foto von Bernd Köhler an und legt dort Blumen nieder?



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