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news >> 2024 >> 240619_01

19.06.2024

Das Martyrium des Ronny Z. (IV)

Berufung eingelegt

Prenzlau (ipr) Vor zwei Wochen war ein Uckermark-Nazi nach drei Prozesstagen vor dem Schöffengericht in Prenzlau zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der alkoholkranke Marius B. im April 2021 einen Saufkumpanen die ganze Nacht hindurch gequält hat. Nun ist der 30-Jährige in Berufung begangen. Das teilte der Direktor des Amtsgerichts Prenzlau auf Nachfrage mit.

Das Opfer, der 34-jährige Ronny Z., war in seiner Wohnung in Prenzlau am Boden liegend an den Kopf getreten worden. Es war mit Alu-Besenstielen geprügelt worden bis die zerbrochen waren. Dann ging es mit den zerbrochenen Stielen weiter. Es war gewürgt worden, mit einem Messer geritzt und mit dem Tode bedroht worden, sollte es zur Polizei gehen. Außerdem war Ronny Z. bestohlen worden.

Während die Staatsanwältin in den Taten einen bewussten Gewaltexzess sah, der die ganze Nacht durch andauerte, sah der Verteidiger bei dem Geschehen nur punktuelle Gewalttaten. Während die Staatsanwältin drei Jahre Haft forderte, plädierte der Verteidiger für eine weitaus geringere Strafe, ohne eine Zahl zu nennen. Das Schöffengericht folgte da eher der Staatsanwältin und sprach in der mündlichen Urteilsverkündung von sehr erheblichen Körperverletzungen über einen längeren Zeitraum. Aus diesen gegensätzlichen Bewertungen der unbestrittenen Taten war es für die Verteidigung nur konsequent Rechtsmittel einzulegen.

Vielleicht gelingt es ja dem Berufungsgericht durch die erneute Befragung der Zeug:innen ein paar offene Fragen zu klären.

Die Rolle von Jessica A.

Nachbarn berichteten gegenrede.info, dass Ronny Z. in Jessica A. verliebt gewesen sei. Sie soll immer wieder aus Berlin angereist sein und wochenlang bei ihm gewohnt haben. Auch am Tattag war Ronny Z. mit dem Zug nach Berlin gefahren, um sie und ihren damaligen Freund, Melvin F., abzuholen. Die Staatsanwältin unterstellte Ronny Z. in ihrem Plädoyer in Bezug auf Jessica A. Entlastungstendenzen.

Im Zeugenstand sagte Jessica A., sie wisse von nichts. Sie habe die ganze Nacht geschlafen. Das war gelogen. Ein junger Polizist berichtete im Zeugenstand, dass er und sein Kollege von Nachbarn wegen des Lärms alarmiert gegen 1:30 Uhr vor der Wohnung von Jessica A. empfangen worden waren. Und der mittlerweile entlastete Mitangeklagte Ramon A. sagte aus, dass Jessica A. die Situation angeheizt habe. Als Vorwand für die Tritte und Schläge diente eine sexuelle Belästigung die Ronny Z. Wochen zuvor begangen haben soll. Im Zeugenstand sagte Ronny Z. dazu nichts. Gegenüber gegenrede.info sprach er nach seiner Aussage von einem Zuppeln an ihrer Hose als sie schlief. Auch Jessica A. äußerte sich nicht dazu im Zeugenstand.

Die Fotos

Es gibt mehrere Fotos, die Ronny Z. mit freiem Oberkörper zeigen. Auf Kopf und Körper sind Blutergüsse zu erkennen. Vom Zeigefinger tropft das Blut in einen Plastikeimer. Die Fotos wurden per WhatsApp an den Bekanntenkreis des Opfers und des Täters verschickt. Dazu eine kurze wenig verständliche Tonaufnahme aus der Nacht auf der Lachen zu vernehmen ist. Die Staatsanwältin ging davon aus, dass Marius B. die Fotos samt Tonaufnahme verschickt hat. Dessen frühere Freundin sagte allerdings im Zeugenstand, sie wisse nicht mehr von wem die Bilder kamen, aber ihr Ex sei es nicht gewesen.

Die Fotos sind vom Morgen nach den Übergriffen. Ein Foto erlaubt den Blick durch die Küche auf das Küchenfenster im Gegenlicht. Man sieht einen weißen Fleck. Draußen ist es bereits hell. An diesem Tag ging die Sonne gegen 7:00 Uhr auf.

Ramon A. hatte längst die Wohnung verlassen. Marius B. will bei Tagesanbruch die Wohnung verlassen haben. Hemd und Hose sollen voller Blut gewesen sein. Es befanden sich also noch Jessica A. und Melvin F. in der Wohnung. Melvin F. soll ebenfalls geprügelt haben. Sein Verfahren wurde abgetrennt und wird vor dem Jugendrichter stattfinden. Später am Morgen kam noch eine weitere männliche Person in die Wohnung, die dann die Notfallsanitäter alarmierte.



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